Deutsch-Florentiner. Von der liberalen Musenrepublik...

Sonntag 01.11.2026

Buchvorstellung
Deutsch-Florentiner. Von der liberalen Musenrepublik zur prekären Zufluchtsstätte
Gespräch mit den Herausgeberinnen Rotraut Fischer und Anna Maria Voci

Sonntag, 1. November 2026, 11.00 Uhr
Arndtstraße 12, 60325 Frankfurt

Deutsch-Florentiner. Von der liberalen Musenrepublik zur prekären Zufluchtsstätte (Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2026): Der Band versammelt die Beiträge einer Tagung des "Italienforums" der Rhein-Main-Universitäten an der Technischen Universität Darmstadt am 7. Dezember 2024. Im Laufe des 19. Jahrhunderts etablierte sich in Florenz ein Netzwerk von deutschen Literaten, Künstlern, Kunstkennern und Wissenschaftlern, die regen Austausch mit italienischen Kollegen pflegten. Sie waren Brückenbauer zwischen den beiden jungen Nationen Deutschland und Italien und darüber hinaus "eine Probe der Europäer von übermorgen", wie Isolde Kurz 1927 schrieb. Florenz mit seiner liberalen und bürgerlich-republikanischen Tradition übte dabei eine große Faszination aus. Historisch standen die Deutsch-Florentiner in einer Zeit der Epochenumbrüche: von den Nachwehen der Französischen Revolution, Vor- und Nachmärz, der Nationenbildung in Italien und Deutschland bis zum heraufziehenden Fin de Siècle. In ihren Salons trafen einflussreiche Einheimische mit internationalen Besuchern zusammen, wofür Namen stehen wie Ludmilla Assing, Karl Hillebrand, Adolf von Hildebrand, Arnold Böcklin, Hugo und Moritz Schiff, Ludwig Bamberger, Alfred Doren, Isolde Kurz und Aby Warburg. Neben einem Forum regen internationalen kulturellen Dialogs war Florenz Anfang der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts auch Fluchtpunkt für Verfolgte aus Nazi-Deutschland. Es fanden sich wieder Gelehrte, Schriftsteller, Künstler und Kunstsammler ein, neben Hans Baron, Nicolai Rubinstein und Paul Oskar Kristeller, Alfred Neumann, Max Krell und Rudolf Borchardt auch Karl Wolfskehl, Georg Strauss, Alice Berend, Hanna Kiel, Max Purrmann, Rudolf Levy, Curt Glaser, Victor Wallerstein und Ernst Saulmann.

Dr. Rotraut Fischer ist Projektmitarbeiterin im Bereich Editionsphilologie und Digital Humanities am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Editionsphilologie: romantische Briefnetzwerke, Briefwechsel zwischen italienischen und deutschen Gelehrten sowie Italienisch-deutsche Kulturbeziehungen mit Schwerpunkt 19. und 20. Jahrhundert. Im Jahre 2022 erschien im Aisthesis Verlag, Bielefeld ihr Band Fluchtpunkt Florenz. Deutsch-Florentiner in Risorgimento und Gründerzeit.

Anna Maria Voci ist Historikerin und Publizistin; derzeitige Forschungsschwerpunkte sind deutsche Geschichte und Geschichtsschreibung, kulturelle Beziehungen zwischen Deutschland und Italien im 19. Jahrhundert; hierzu erschienen zahlreiche Aufsätze, Editionen und Monographien, u.a. Un anello ideale fra Germania e Italia. Corrispondenze di Pasquale Villari con storici tedeschi (2006); Il Reich di Bismarck, Storia e storiografia (2009); La Germania e Cavour (2011); Karl Hillebrand. Ein deutscher Weltbürger (2015).

In Zusammenarbeit mit dem Italienforum der Goethe-Universität.

Eintritt € 10/8, Studierende frei


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