Faszination und Schrecken: Das faschistische Italien in der Weltwirtschaftskrise

Donnerstag 27.06.2024
Palazzo della Civiltá Italiana, Roma. Foto: dalbera from Paris, France - Wikimedia commons

VORTRAG
Faszination und Schrecken: Das faschistische Italien in der Weltwirtschaftskrise
Prof.Dr. Werner Plumpe

Moderation: Dr. Martin L. Müller

Donnerstag, 27. Juni 2024, 19.30 Uhr
Arndtstraße 12

Die aktuelle Debatte um die Krise der Demokratie bedient sich, ob berechtigt oder nicht, gerne historischer Vorbilder und Beispiele, um ihre Annahme, dass die demokratischen Verfahrensweisen der gegenwärtigen Welt unter einer Art existentiellem Legitimationsdruck stehen, zu illustrieren, ja, ihr empirische Evidenz zu verleihen. Dabei wird gerne auf die Schwäche demokratischer Verfahren in der Weltwirtschaftskrise und die damit scheinbar zusammenhängende Tatsache verwiesen, dass sich große Wählergruppen Europas in dieser Zeit von dem politischen Spektrum bürgerlicher und liberaler Parteien abwandten, dem sie eine Bewältigung der schweren Wirtschaftskrise schlicht nicht mehr zutrauten. Stattdessen wurden autoritäre, nicht durch demokratische Prozeduren behinderte Entscheidungsprozesse deshalb favorisiert, weil sie Lösungen versprachen, die ansonsten im Gestrüpp des Parlamentarismus unmöglich gewesen seien. Dabei war es, woran bis heute nur unzureichend erinnert wird, das italienische Vorbild, auf das verwiesen wurde, wenn es darum ging, Beispiele für politische Handlungsfähigkeit auch unter den Bedingungen der Krise zu gewinnen und zu behaupten. Mussolinis Regierung erfreute sich in vielen Ländern West- und Mitteleuropas, deren Regierungen schwächelten, gerade zu dieser Zeit großer Popularität. Ein Grund, genauer hinzuschauen: Kam Italien in der Tat besser durch die Weltwirtschaftskrise, und wenn ja, war diese Leistung ein spezifisches Verdienst der faschistischen Regierung? Was unterschied sie, was machte sie anders, was waren ihre charakteristischen Merkmale? Und war Italien wirklich das Vorbild, für das viele es hielten?

Prof.Dr. Werner Plumpe lehrt seit 1999 Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Frankfurter Goethe-Universität. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Neuzeit, die Unternehmens- und Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, die Geschichte der Industriellen Beziehungen sowie die Geschichte des ökonomischen Denkens und der ökonomischen Theorien. 2010 erschien in der Kleinen Reihe bei Beck der Band Wirtschaftskrisen. Geschichte und Gegenwart, 2019 im Rowohlt-Verlag Das Kalte Herz. Kapitalismus: Geschichte einer andauernden Revolution. 2014 erhielt er den Ludwig-Erhard-Preis für Wirtschaftspublizistik.

Veranstaltungsreihe RESONANZEN. In Zusammenarbeit mit der Frankfurter Stiftung für deutsch-Italienische Studien

Foto: Palazzo della Civiltá Italiana auf dem EUR-Gelände in Rom. Ursprünglich als Colosseo Quadrato für die Weltausstellung in Rom 1942 geplant, wurde aber erst nach dem Krieg fertiggestellt (Von dalbera from Paris, France – Palazzo della civiltà del lavoro (EUR, Rome), CC BY 2.0, Wikimedia Commons)

 


Buchungsformular


Übersicht